Bernsteinköpfchen "Traut"
Hermann Brachert, 1941

Historisches
Kalenderblatt

ludwig_friedländer_kl-1720708732.jpg

 

 

 

 

Juli 2024

Ludwig Heinrich Friedländer – 200. Geburtstag


» Zum Kalenderblatt
» Zum Archiv


 

Aktuelle Publikation

Von der "Ostbahn" bis heute

Von der

für nur 6,50 €
» Zum Museumsladen


 

Mitarbeiter


» Zu unseren Mitarbeitern


 

Kontaktinformationen



Kulturzentrum Ostpreußen
Schloßstr. 9
91792 Ellingen/Bay.

Öffnungszeiten:

Dienstag–Sonntag
10–12 und 13–17 Uhr
(April–September)


10–12 und 13–16 Uhr
(Oktober–März)

Telefon 09141 86440
Telefax 09141 864414

» Kontaktaufnahme

 

Eintrittspreise:

Regulär 3,00 Euro
Ermäßigt 2,00 Euro

 

Freier Eintritt:

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre

Presse

Mitglieder Dt. Museumsbund und ostpr. Fördervereine

Inhaber bay. Ehrenamtskarte

Historische Kalenderblätter

Albert Dulk – 205. Geburtstag

albert_dulk-1718274378.jpg

 

 

 

 

Juni 2024



Schriftsteller, Revolutionär

 

* 17. Juni 1819 in Königsberg/Pr.
† 29. Oktober 1884 in Stuttgart

 

Albert Friedrich Benno Dulk wurde im Juni 1819 als Sohn des Königsberger Apothekers und Professors der Chemie Friedrich Philipp und der Johanna geb. Hartung aus der Verlegerfamilie der liberalen Königsberger Zeitung geboren. Dulk ging auf das Kneiphöfische Gymnasium, welches er 1837 mit der Reifeprüfung abschloss. Nach der Lehre als Apothekergehilfe bei seinem Vater studierte Dulk Chemie an der Königsberger Universität.
1841/42 folgte ein einjähriger Freiwilligendienst als Lazarettapotheker in Breslau.
Erste revolutionäre Tendenzen waren bereits 1844 mit der anonymen Veröffentlichung der dramatischen Vormärz-Dichtung „Orla“ in Zürich erkennbar. Sie spielt in der thüringischen Stadt Orla und handelt von Menschen in schwierigen Situationen, wobei die Hauptfigur Friedrich eine drohende Gefahr abzuwenden versucht.
Als Dulk später in Leipzig studierte und im August 1845 eine Begräbnisrede für die Opfer des dortigen „Volkskrawalls“ hielt, wurde er aus Sachsen ausgewiesen, versteckte sich aber eine Zeit lang. In dieser Zeit schrieb er an einem nie vollendeten Buch über ein Attentat auf den damaligen König Friedrich Wilhelm IV., woraufhin die preußische Geheimpolizei auf ihn angesetzt wurde, was eine vierwöchige Untersuchungshaft in Halle zur Folge hatte.
Dulk wurde im August 1846 in Breslau über das Dissertationsthema „Dammarharz“ promoviert, nachdem ihm zuvor eine Promotion aus politischen Gründen verweigert worden war. Ebenfalls 1846 heiratete er seine Cousine Johanna in Königsberg.
Ende Februar 1848 kam es zur Uraufführung seines  fünfteiligen Dramas „Lea“ im Königsberger Stadttheater (nach der Novelle von Wilhelm Hauff: „Jud Süß“), das den Justizmord an Joseph Süß Oppenheimer zum Gegenstand hatte und mit dem sich Dulk für die Emanzipation des Judentums einsetzte.
An dem Revolutionsgeschehen  des März 1848 nahm Dulk in Königsberg aktiv teil, gründete einen Arbeiterverein und gab das Wochenblatt „Der Handwerker“ heraus.
Ebenfalls 1848 veröffentlichte er zusammen mit Otto Seemann die politische Komödie „Die Wände“, in der es „um die Idee des souveränen Volkswillens aus der Märzrevolution“ ging.
1849 trat Albert Dulk aus der evangelischen Kirche aus. Als die Revolution endgültig scheiterte, ging er zu Fuß über Österreich, Udine bis nach Neapel und setzte von dort ab November nach Ägypten über, wo er insgesamt 8 Monate verbrachte, davon allein 3 Monate als Eremit in einer Höhle am Berg Horeb auf der Sinai-Halbinsel auf der Suche nach Gott.
Im Juli/August 1850 kehrte er nach Europa zurück und lebte ab Herbst mit seiner Frau, seinen zwei weiteren Freundinnen und den gemeinsamen Kindern in einem polygamen Haushalt in einer Sennerhütte am Genfer See.
1858 kam Dulk nach Stuttgart, der damals zweitwichtigsten Verlagsstadt nach Leipzig in den deutschen Staaten.
Dort wirkte er als Theaterkritiker, Literaturtheoretiker, schrieb Dramen, ein Opernlibretto und publizierte Reisebeschreibungen.
Von Stuttgart aus verreiste Dulk noch ein letztes Mal und zwar nach Lappland/Schweden.
1865 wurde er württembergischer Staatsbürger und durchschwamm als 46-Jähriger am 17. Juli den Bodensee an der breitesten Stelle (14 Kilometer) von Romanshorn nach Friedrichshafen in 6 ½ Stunden.
Auch 1865 veröffentlichte Albert Dulk sein bereits 1855 verfasstes Hauptwerk, das erste moderne Christusdrama der deutschen Literatur „Jesus der Christ. “, welches er in seiner Zeit in Ägypten konzipierte.
Ab 1871 folgte ein Umzug nach Untertürkheim und später (besonders in den Sommermonaten 1880-1884) auch eine Schreibtätigkeit in einem Forsthäuschen bei Esslingen (heute Dulkhäusle, eine Waldgaststätte). Ferner folgten Vorträge über altdeutsche Mythologie, Religionskritik „Der Irrgang des Lebens Jesu“ (1884), „Was ist von der christlichen Kirche zu halten?“ (1877), Einsatz für die Arbeiterbewegung/ Sozialdemokratie sowie mehrfache Kandidaturen für Land- und Reichstag.
So nahm Dulk 1875 als Delegierter an der Gründung der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands in Gotha teil.
1878-1879 musste Dulk eine 14-monatige Haftstrafe wegen Volksverhetzung und Religionsschmähungen verbüßen.
Ab 1880 setzte sich Dulk für die Freidenker ein und gründete 1882 eine Freidenkergemeinde in Stuttgart.
Am 29. Oktober 1884 starb Albert Dulk am Stuttgarter Bahnhof an Herzversagen. Aus dem Trauerzug wurde eine Massendemonstration mit bis zu 10.000 Teilnehmern, die gegen das 1878 erlassene Sozialistengesetz protestierten.
Alles in allem war Albert Dulk als Dramatiker, Publizist, Politiker, Frauenheld, Extremsportler, Freigeist und Abenteurer eine sehr facettenreiche Persönlichkeit und schon die Schriftstellerin Isolde Kurz schrieb 1918 über Dulk: „Sein Leben ist ein Roman“.
Seine Person und seine Werke waren auch Vorbild für andere Schriftsteller, z. B. bei Wilhelm Raabe oder Rudolf Gottschall, Gerhart Hauptmann, Hedwig-Heinrich-Wilhelmi, Bruno Wille usw.
Seit 2016 gibt es den mit 3000 Euro dotierten Albert-Dulk-Preis für verdiente Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Gesellschaft und ähnlichen Bereichen.

Quellen:
Ostdeutsche Gedenktage 1969.
Albert Dulk – Die Wände – Eine politische Komödie in einem Akte, Berlin, 2013.
Religion und Literatur – Konvergenzen und Divergenzen, Würzburg, 2017.
https://paz.de/artikel/ein-unerschoepflicher-quell-a6670.html
https://kulturstiftung.org/biographien/dulk-albert-friedrich-benno-2
https://www.deutsche-biographie.de/pnd118869345.html
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.albert-dulk-zu-ehren-revolutionaer-freidenker-schriftsteller.b12c95b9-445f-459d-8be8-01d53b632599.html
https://www.esslinger-zeitung.de/inhalt.span-id-u101041067325ohg-der-schriftsteller-revolutionaer-und-frauenheld-albert-dulk-wird-zu-seinem-200-geburtstag-gewuerdigt-span-erinnerungen-an-albert-dulk.21b6517a-d87b-4789-9bba-9789592bccb0.html
http://www.zeno.org/Literatur/M/Dulk,+Albert/Biographie
https://www.juraforum.de/lexikon/albert-dulk
https://www.wikiwand.com/de/Albert_Dulk