Bernsteinköpfchen "Traut"
Hermann Brachert, 1941

Historisches
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Historische Kalenderblätter

Emil Adolf von Behring – 170. Geburtstag

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März 2024



Mediziner
* 15. März 1854 in Hansdorf/Westpreußen
† 31. März 1917 in Marburg


Emil Behring wurde 1854 als fünfter Sohn von insgesamt 12 Kindern des Lehrers August Behring und der Lehrerstochter Augustine geb. Zech in Hansdorf (bei Deutsch-Eylau im Kreis Rosenberg) geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Zunächst ging der Knabe, der eine hohe Auffassungsgabe besaß, auf die Stadtschule in Deutsch-Eylau. Ab 1866 besuchte der 12-Jährige das Gymnasium in Hohenstein (Kr. Osterode), welches er 1874 erfolgreich abschloss. Da Emil Adolf weder Lehrer noch Priester, sondern Arzt werden wollte, die Familie aber kaum über finanzielle Mittel verfügte, half ein Freund der Familie, sodass Emil Adolf mit einem Militärstipendium noch im gleichen Jahr das Studium am prestigeträchtigen Medizinischen und Chirurgischen Friedrich-Wilhelm-Institut in Berlin (Pepinière) aufnehmen konnte. Er musste sich aber verpflichten, nach dem Studium in Diensten der preußischen Armee als Militärarzt zu arbeiten. Behring schloss das Studium 1878 ab und wurde promoviert (Dissertationsthema: Neuere Beobachtungen über die Neurotomia opticociliaris). Nach der Approbation 1880 folgten Einsätze als Unterarzt, unter anderem beim 4. Posenschen Infanterieregiment 59 in Posen und beim Westpreußischen Kürassierregiment Nr. 5 in Schlesien. Als Militärarzt, der sich auch mit einer Diphtherie-Epidemie konfrontiert sah, wandte Behring sich im Rahmen der ebenfalls für die Armee relevanten Seuchenbekämpfung der Bakteriologie zu und verfasste dazu erste relevante Abhandlungen über das die Desinfektion mit Iodoform. Nach Ablegung des Kreisarztexamens 1885 folgten 1887 die Beförderung zum Stabsarzt und die Abberufung nach Bonn an das Pharmakologische Institut (unter Leitung von Carl Binz) der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität.
In der Zeit ab 1888 wirkte Behring in Berlin; bis 1889 als Stabsarzt an der Pepinière sowie beim Infanterie-Regiment Graf Werder (in Berlin), ab 1889 dann als Assistent von Robert Koch, dem Entdecker der Tuberkulose, am Hygienischen Institut. 1890 kam der Forschungsdurchbruch durch Behrings Entdeckung der Blutserumtherapie gemeinsam mit dem Bakteriologen Kitasato Shibasaburō aus Tokio: „Ueber das Zustandekommen der Diphtherie-Immunität und der Tetanus-Immunität bei Thieren“ (Deutsche Medicinische Wochenzeitschrift, Dezember 1890). Durch die passive Immunisierung, im Rahmen derer dem Patienten von jemand anderem (z. B. ein Tier) gebildete Antikörper gegen das entsprechende Antigen verabreicht werden und somit eine weitere Ausbreitung von Toxinen im Körper blockiert wird, war es fortan möglich die Sterblichkeit u. a. bei Diphtherie deutlich zu senken. Dafür erhielt Emil Behring 1901  – in der Kategorie Physiologie oder Medizin als Erster überhaupt – den Nobelpreis und wurde durch Kaiser Wilhelm II. in den erblichen Adelsstand erhoben. Zusammen mit dem Wissenschaftler Paul Ehrlich verbesserte Emil Behring sein Diphtherieheilserum und ließ dieses ab 1894 kommerziell bei den Höchster Farbwerken herstellen. 1893 kam die Verleihung des Professorentitels durch den preußischen Staat, 1894 die Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Universität Halle im Bereich Medizin und 1895 erhielt Behring eine ordentliche Professur im Bereich Hygiene und gleichzeitig die Funktion als Direktor des Hygiene-Instituts an der Universität Marburg, wozu die Ernennung zum „Geheimen Medizinalrat“ kam.
1896 heiratete Emil Behring die 20-jährige Tochter des Verwaltungsdirektors der Charité in Berlin, Else Spinola. Aus dieser Ehe sind sechs Söhne hervorgegangen.
1904 gründete von Behring sein eigenes Unternehmen in Marburg, das sukzessive erweitert wurde, 1914 auch nach Bremen expandierte (sog. „Behringwerke“) und sich mit der Produktion und dem Vertrieb von Sera und Impfstoffen gegen Tetanus, Diphterie etc. befasste. Die Jahre 1907 – 1910 waren geprägt von Depressionen und einem dreijährigen Sanatoriumsaufenthalt. Ab 1913 wurde das Diphtheriemittel soweit perfektioniert, dass es sich für eine aktive Immunisierung eignete. Das bedeutet: Dem Patienten werden Bruchstücke von Erregern oder abgeschwächte Erreger verabreicht, damit der Körper selbst Teile davon herstellt und er somit durch die Bildung von Antikörpern oder Gedächtniszellen langfristig immunisiert wird. 1914, als von Behring 60 Jahre alt war, wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Marburg verliehen. Im Ersten Weltkrieg half Behrings Mittel gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), welches bei den Soldaten prophylaktisch angewandt wurde, die Sterblichkeit um ein Vielfaches zu senken und damit das Leben vieler Soldaten zu retten, wofür er 1915 das Eiserne Kreuz am weißen Bande erhielt. Emil von Behring starb im Alter von 63 Jahren am 31. März 1917 in Marburg und liegt heute in seinem Mausoleum im heutigen Marburger Stadtteil Marbach begraben. Der „Retter der Kinder“ (Diphtherieheilmittel) und der „Retter der Soldaten“ (Tetanusheilmittel) verfasste zahlreiche Werke, erhielt viele Ehrungen und war Ehrenmitglied von ca. 35 Organisationen. Sein Name ziert viele Medaillen, Institute, Straßen und Schulen. Es gibt sogar den Emil-von-Behring-Preis der Marburger Universität, der an verdiente Wissenschaftler alle zwei Jahre verliehen wird und mit 20.000 Euro dotiert ist. Emil von Behring verbrachte seine freie Zeit (u. a. seine Hochzeitsreise) immer wieder gerne auf der Insel Capri und besaß dort seit 1895 eine Villa, die noch heute existiert.

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Villa Behring auf Capri

Quellen:
Bauereisen, Erich, "Behring, Emil von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 14-15 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118654918.html#ndbcontent
Ostdeutsche Gedenktage 2003/2004, Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, S. 238 ff.
Dtsch Arztebl 2009; 106(51-52): A-2557 / B-2204 / C-2136, Enke, Ulrike; Friedrich, Christoph; Grundmann, Kornelia: https://www.aerzteblatt.de/archiv/67201/Emil-von-Behring-Beste-Gruesse-Dein-P-Ehrlich
https://www.lagis-hessen.de/pnd/118654918
https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0029-1207589
https://www.dhm.de/lemo/biografie/emil-von-behring.html
https://www.uni-marburg.de/de/fb20/bereiche/methoden-gesundheit/evbb/der-nachlass-emil-von-behrings/leben-und-werk-emil-von-behrings/biografie
https://www.catalogus-professorum-halensis.de/behringemilvon.html