Bernsteinköpfchen "Traut"
Hermann Brachert, 1941

Historisches
Kalenderblatt

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Historische Kalenderblätter

Adolf Tortilowicz von Batocki-Friebe – 155. Geburtstag

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Juli 2023



Großgrundbesitzer, Politiker,
* 31. Juli 1868 auf Gut Bledau bei Cranz, Landkreis Königsberg i. Pr.;
† 22. Mai 1944 auf Gut Wosegau bei Cranz

Max Johannes Otto Adolf Tortilowicz von Batocki-Friebe, ältester Sohn des königlich preußischen Kammerherren und Fideikommissherren Otto Tortilowicz von Batocki-Friebe (1857 in den Adelsstand erhoben) und dessen Ehefrau Fanny geb. Gräfin von Keyserlingk, kam 1868 auf Gut Bledau in der Nähe von Cranz zur Welt.
Im unweit gelegenen Königsberg absolvierte Adolf Tortilowicz das Collegium Fridericianum, ein Gymnasium mit neuhumanistischer Ausrichtung, das er 1886 mit Bestnoten abschloss.
Anschließend studierte er in Bonn, Straßburg und Königsberg Rechts- und Staatswissenschaften und absolvierte 1889 das Gerichts-Referendariat im oberschlesischen Falkenberg.
1892, wieder in Königsberg, wurde Adolf Tortilowicz Regierungsreferendar und 1895, nach erfolgreichem Abschluss des zweiten Staatsexamens, Regierungsassessor.
Nachdem der Vater 1890 gestorben war, kehrte von Batocki 1895 wieder auf das väterliche Gut Bledau zurück, um es zu bewirtschaften.
1898 ehelichte Adolf von Batocki auf Schloss Kilgis Paula Gräfin von Kalnein, mit der er später 3 Söhne und eine Tochter haben sollte.
Die Jahre 1900 – 1907 führten von Batocki in der Funktion als Landrat des Kreises Königsberg wieder zurück in den Staatsdienst.
Dort trug er durch die Gründung des Vereins für ländliche Wohlfahrtspflege zur Lösung der Landarbeiterfrage (Problematik der Abwanderung in die Städte) bei und unterstützte die Landfrauenbewegung (Weiterbildung und Organisation von Frauen aus der Landwirtschaft).
Es folgte von 1907 – 1914 die Position als Vorsitzender der Landwirtschaftskammer Ostpreußen, in der er sich u. a. für niedrigere Kommunalabgaben einsetzte.
Im Oktober 1914, einige Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, wurde von Batocki zum Oberpräsidenten von Ostpreußen berufen.
Dort wurde ihm die Aufgabe zuteil, die Provinz mit ihren ca. 300.000 beschädigten und zerstörten Gebäuden wiederaufzubauen, nachdem die russische Offensive im Sommer 1914 durch die 8. Armee unter Paul von Hindenburg vernichtend geschlagen worden war. Diese Aufgabe meisterte der konservative und „festprofilierte“ von Batocki so gut, dass er 1916 zum Präsidenten des Kriegsernährungsamtes in Berlin erhoben wurde.
Ab August 1917 nahm Adolf von Batocki als Major der Reserve an den Kämpfen in Italien teil (Isonzoschlachten) und sollte bis Januar 1918 als Gouverneur von Udine das Kaisertreffen absichern, um 1918 erneut nach Ostpreußen in sein früheres Amt des Oberpräsidenten zurückzukehren.
Als Anfang 1919 die Novemberrevolution sich auch in Ostpreußen verschärfte, bewährte sich Adolf von Batocki zusammen mit dem auf seinen Antrag zum Reichskommissar für Ost- und Westpreußen ernannten August Winnig, indem es beiden gelang, die Ordnung wiederherzustellen. Dies ist insofern außergewöhnlich, da die meisten „kaiserlichen“ Oberpräsidenten gehen mussten.
Nachdem der Versailler Vertrag unterzeichnet worden war, trat von Batocki Ende Juni 1919 vom Amt des Oberpräsidenten zurück, blieb noch ein halbes Jahr als Reichskommissar für den Wiederaufbau in Berlin, wo er für die künftige Ernte die „völlige Marktfreiheit forderte, widmete sich jedoch fortan der Bewirtschaftung seines Gutes sowie zusammen mit Prof. Mitscherlich und anderen Landwirten diversen Versuchen im Agrarbereich.
Im Jahr 1921 übernahm Batocki die Leitung des Instituts für Ostdeutsche Wirtschaft, war Honorarprofessor (1928) und Ehrenbürger an der Albertina Universität, Mitglied des Verwaltungsrates der Deutschen Reichsbahn sowie Mitglied diverser Aufsichtsräte.
Von Batocki zog später mit seiner Familie in ein einfaches Wohnhaus in Wosegau bei Cranz und stellte Bledau bedürftigen Rentnern zur Verfügung (nachdem dort schon vor dem Ersten Weltkrieg Studenten ohne eigene Bleibe wohnen durften), während er in Cranz ein Säuglingsheim errichten ließ. Anstatt die eigene Silberhochzeit (1923) zu feiern, spendierte von Batocki Cranzer Rentnern ein Festmahl.
Von Batocki erhielt zahlreiche Ehrungen und veröffentlichte viele Schriften.
Adolf Tortilowicz von Batocki-Friebe starb im Mai 1944 in Wosegau und erlebte deshalb die Zerstörung Königsbergs und den sowjetischen Einfall in Ostpreußen nicht mehr.
August Winnig, Oberpräsident von Ostpreußen 1919 – 1920, beschrieb ihn als „Vorbild als Beamter und Landwirt und nicht weniger als Mensch und Christ“.
Das Gut Bledau ist heute noch erhalten.

Schriften (Auswahl):
    • Ostpreußen, seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft,  München, 1915.
    • Warenpreis und Geldwert im Kriege, Königsberg, 1919.
    • Ostpreussens wirtschaftliche Lage vor und nach dem Weltkriege, Berlin, 1920.
    • Preußen, der Kern der deutschen Verfassungsfrage, Berlin, 1928.
    • Bedeutung und Umfang der Meliorationen in Deutschland, Berlin, 1931.

Quellen:
Ostdeutsche Gedenktage 1968

Adolf Tortilowicz von Batocki-Friebe (1868 – 1944), Jeserich/Neuhaus,  Persönlichkeiten der Verwaltung. Biographien zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1648-1945, Stuttgart u. a. 1991

August Winnig: Batocki-Friebe, Adolf von. In: Neue Deutsche Biographie. Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953

https://kulturstiftung.org/biographien/tortilowicz-von-batocki-friebe-max-johannes-otto-adolf-2

https://www.deutsche-biographie.de/sfz2215.html

https://dewiki.de/Lexikon/Adolf_Tortilowicz_von_Batocki-Friebe

https://de-academic.com/dic.nsf/dewiki/33096

https://www.wiki-data.de-de.nina.az/Adolf_Tortilowicz_von_Batocki-Friebe.html