Bernsteinköpfchen "Traut"
Hermann Brachert, 1941

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Louis Ferdinand Prinz von Preußen - 110. Geburtstag

 

 

 

 

November 2017



*9. November 1907 in Potsdam; †25. September 1994 in Bremen

 

Louis Ferdinand wurde am 9. November 1907 als zweitältester Sohn des preußischen Kronprinzen Wilhelm und dessen Gattin Cecilie im Marmorpalais in Potsdam geboren. Seine Kindheit verbrachte der »Lieblingsenkel« von Kaiser Wilhelm II. in Potsdam und Danzig-Langfuhr, wo sein Vater die kaiserlichen Leibhusaren kommandierte und die Familie am 9. November 1918 – dem 11. Geburtstag des Jungen – den Zusammenbruch der Monarchie erlebte. Der enorme politische und gesellschaftliche Wandel, der im Zuge der Abdankung des Kaisers (9.11.) und des Waffenstillstands in Frankreich (11.11.) die Menschen vielerorts radikalisierte, brachte spürbare Veränderungen im Leben des Jungen mit sich. Ein erstes Zeichen der neuen Lebensumstände war die Kündigung des Hauslehrers, woraufhin die Kinder der Hohenzollern-Familie das Städtische Realgymnasium in Potsdam besuchen mussten. Nach dem Abitur (1925) begann Louis Ferdinand an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität Volkswirtschaft zu studieren. 1929 promovierte er mit einer Dissertation über die ökonomischen Faktoren, die eintreten, wenn sich die Einwanderungszahlen von Staaten verändern. Als Fallbeispiel für seine Arbeit, die er unter dem Titel »Theorie der Einwanderung, dargestellt am Beispiel Argentiniens« an der Universität einreichte, wählte er den südamerikanischen Kontinent, wo er sich während seiner Studienzeit häufig aufhielt. In den Ford-Automobil-Werken in Buenos Aires und Detroit (USA) lernte Louis Ferdinand daraufhin in den 1930er Jahren die Arbeit der einfachen Werktätigen kennen. Ähnliche Erfahrungen machte er in der darauffolgenden Zeit als Angestellter bei der Deutschen Lufthansa. 1938 heiratete er in Potsdam die Großfürstin Kira Romanowa, eine Tochter des russischen Thronprätendenten Kirill Romanow. Aus der Ehe, die durch den frühen Tod der Fürstin 1967 abrupt endete, gingen sieben Kinder hervor.

 

Während des Zweiten Weltkrieges diente Louis Ferdinand bei der Luftwaffe als Oberleutnant. Nachdem er jedoch aufgrund des Soldatentodes seines älteren Bruders Wilhelm (1940) mit dem sogenannten »Prinzenerlass« von Hitler aus der Wehrmacht entlassen worden war, zog er sich nach Cadinen zurück. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges verfolgte er danach enge Beziehungen zum NS-Widerstand. Nicht nur hochrangige Widerstandskämpfer wie Carl Goerdeler und Ludwig Beck, sondern auch Arbeiterführer wie Jakob Kaiser und Wilhelm Leuschner empfing der Prinz bis ins Jahr 1944. Für den Fall der Wiederherstellung der Monarchie, bestimmten ihn die Teilnehmer des 20. Juli 1944 für das höchste Staatsamt. Cadinen selbst war seit 1898 im Besitz der Hohenzollern. Wilhelm II. nutzte die topographisch günstige Lage des 1899 errichteten Herrenhauses als Sommerresidenz. 1904 wurde neben dem Gutshaus eine Majolika-Werkstatt errichtet, die als angesehene Manufaktur hochwertige Tonwaren herstellte. Der Gefahr ausgesetzt durch sowjetische Truppen gestellt und inhaftiert zu werden, musste Louis Ferdinand 1945 Cadinen verlassen. Über das Eis des Frischen Haffes schaffte er es in den Westen, wo er nach dem Krieg das harte Los der Vertriebenen am eigenen Leib spürte. Nach dem Tod seine Vaters (1951) übernahm er die Besitztümer der Hohenzollern, wobei er das Haus stets in würdiger Weise repräsentierte. Immer wieder hat er sich für die Annäherung zwischen Deutschen und Polen eingesetzt, wofür er 1981 durch den Bund der Vertriebenen ausgezeichnet wurde. Eine seiner großen Leidenschaften neben der Geschichte seines Hauses und der Besinnung auf ein freiheitlich geeintes Europa war darüber hinaus die Musik. Seine Lieder und Kompositionen, zu denen das Glockenspiel der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und der Fridericus-Rex-Gedenkmarsch gehören, fanden beim Publikum großen Beifall. Die Erträge wurden der Prinzessin-Kira-Stiftung für Heimatvertriebene gespendet, die Kindern unter anderem kostenlose Ferienaufenthalte auf der Burg Hohenzollern ermöglichte. Mit großer Freude und Dankbarkeit erlebte der Prinz im Jahre 1989 – an seinem 82. Geburtstag – die Öffnung der Berliner Mauer. Mit Blick auf die deutsche Wiedervereinigung veranlasste er die Rückkehr des Sarges Friedrichs des Großen, die am 17. August 1991 vollzogen wurde. Friedrichs Sarg wurde unter Beisein von Bundeskanzler Helmut Kohl mit militärischen Ehren in einer eigens vorgesehenen Gruft auf der obersten Terrasse des Schlosses Sanssouci beigesetzt.

 

Kurz vor der Vollendung seines 87. Lebensjahres verstarb Louis Ferdinand am 25. September 1994 in seinem Bremer Wohnsitz »Wümmehof«. Nach einer Trauerfeier im Berliner Dom wurde seine Urne am 8. Oktober 1994 neben denen seiner Gemahlin Kira und seiner 1992 verstorbenen Tochter Xenia auf der Burg Hohenzollern beigesetzt. Das Trakehner-Gestüt in Cadinen hat zusammen mit der Manufaktur und dem Herrenhaus sowohl den Krieg als auch die Herrschaft der polnischen Kommunisten überdauert. Seit den 1990er Jahren kann das Gelände von Touristen besucht werden, die im früheren Gästehaus standesgemäß übernachten können. Cadinen entwickelte sich seitdem in einen landschaftlich reizvollen Ort, der unter polnischem Denkmalschutz steht.

 

 

 

Das frühere Gutshaus von Cadinen (Aufnahme M. Wachtel, 2017)



Zufahrt auf das Cadinder Anwesen mit der einst kaiserlichen Majolika-Manufaktur rechts neben dem Torbogen (Aufnahme M. Wachtel, 2017)

 

 

Ein Teil der Gestütsanlage, auf der bis 1945 Trakehner gezüchtet wurden (Aufnahme M. Wachtel, 2017)

 

 

Literatur

 

Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen: Das Haus Hohenzollern 1918–1945, München 1985

 

Louis Ferdinand Prinz von Preußen: Als Kaiserenkel durch die Welt (Autobiographie), Berlin 1952

 

Wolfgang Stribrny: Louis Ferdinand, in: Ostdeutsche Gedenktage 1987. Persönlichkeiten und Historische Gedenktage, Bonn 1986, S. 163ff

 


Verfasser: Marco Wachtel M.A.

Titelabb.: http://kulturportal-west-ost.eu/biographien/louis-ferdinand-prinz-von-preusen-2

Alle anderen Abb.: Privat + https://commons.wikimedia.org (Gemeinfrei)

Die Rechte zur Nutzung des Textes und der Bilder obliegen dem Kulturzentrum Ostpreußen.

 

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