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Historische Kalenderblätter

Beate Uhse-Köstlin - 95. Geburtstag

 

 

 

 

 

Oktober 2014



Beate Uhse-Köstlin (*25.10.1919 in Wargenau; † 18.07.2001 in St. Gallen)

 

 

Beate Uhse-Köstlin wurde am 25. Oktober 1919 im ostpreußischen Wargenau bei Cranz geboren (heute Teil der russischen Oblast Kaliningrad). Als jüngstes Kind einer fünfköpfigen Familie wuchs sie wohlbehütet auf dem bäuerlichen Gut des Landwirts Otto Köstlin und der Ärztin Margarethe Köstlin-Räntsch auf. Beide sorgten dafür, dass ihre jüngste Tochter mit zwölf Jahren von der Volksschule in Königsberg auf das höhere Internat nach Juist wechseln konnte. Als Jugendliche verbrachte sie dort viele schöne Jahre, in denen sie als intelligentes und neugieriges Mädchen wahrgenommen wurde. Schon als kleines Kind interessierte sie sich für die Fliegerei. Mit selbst gebastelten Flügeln aus Federn und Leim versuchte sie vom Dach des Elternhauses zu gleiten, bei dem sie wie durch ein Wunder »nur« ein paar Prellungen und Bänderdehnungen davon trug. Mit sechzehn verließ sie vorzeitig das Internat, um als Au-Pair-Mädchen in England zu arbeiten. Ihre Reise führte sie über das walisische Aberistwyth unter anderem nach Birmingham, wo sie langezeit bei einer Gastfamilie lebte. In der Kindheit kam sie davor schon mit der Hitler-Jugend (HJ) und dem Bund Deutscher Mädel (BDM) in Berührung, ohne jedoch die ideologischen Absichten der Nationalsozialisten zu hinterfragen. Ihr ging es, wie vielen anderen Kindern auch, vor allem um sportliche und gemeinschaftliche Aktivitäten. Uniformen und Fahnenappelle interessierten sie weniger. Nach ihrer Rückkehr aus England war sie fest entschlossen, eine Pilotenausbildung zu absolvieren. Ihre ersten praktischen Flugstunden erhielt sie in einer kleinen Propellermaschine am 7. August 1937 in Rangsdorf bei Berlin. Mit ihrem Fluglehrer Hans-Jürgen Uhse begann sie eine geheime Affäre, um der Karriere des späteren Kampfpiloten nicht zu schaden. Pläne für eine Hochzeit mussten wegen des deutschen Angriffs auf Polen zunächst verschoben werden. Kurz vor dem Einberufungsbefehl erfolgte am 28. September 1939 dann dennoch eine Kriegstrauung in Magdeburg. Aus der Ehe ging im Sommer 1943 der Sohn Klaus hervor, den sie einem Kindermädchen anvertrauen musste, da sie als Pilotin mit der Überführung von Flugzeugen der Luftwaffe beauftragt worden war. Fabrikneue Jagdmaschinen und Bomber wurden von ihr an die Einsatzorte der Front geflogen. Stets im Tiefflug, um nicht von feindlichen Abfangmaschinen beschossen zu werden. Ihr Mann zählte in dieser Zeit zu jenen Piloten, die täglich darauf warteten, amerikanische und britische Bomberstaffeln abzufangen. Bei einem Alarmstart am 30. Mai 1944 kollidierte seine Maschine mit einem am Boden befindlichen Jagdflugzeug, wobei sich Uhse das Genick brach. Der plötzliche Tod ihres Mannes hinterließ bei der erst 24-jährigen einen tiefen Schock, der sie jedoch nicht vom weiteren Fliegen abhielt. Der überraschend zügige Aufmarsch der Roten Armee in Richtung Berlin veranlasste sie im Frühjahr 1945, Rangsdorf so schnell wie möglich mit ihrem zweijährigen Sohn und dem Kindermädchen zu verlassen. Hastig flüchteten die drei über Lübeck nach Flensburg, wo sie von den Briten gefangengenommen wurden. Als ehemalige Pilotin der Luftwaffe verhörte man sie sechs Wochen, ehe die Freilassung genehmigt wurde. Von einem Tag auf den anderen veränderte sich danach ihr Leben grundlegend. Sie selbst war verwitwet, ihre Eltern waren nicht mehr erreichbar und die alte ostpreußische Heimat von russischen Truppen besetzt. Erst spät erfuhr sie, dass die Eltern in Wargenau von der Roten Armee ermordet wurden.

 

Nach dem Krieg wurde Beate Uhse vor allem als Geschäftsfrau bekannt. Die Idee für einen Erotikgeschäft kam auf, als immer mehr Frauen nach Wegen suchten, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Mit Hilfe einer Methode zur Geburtenkontrolle, die 1934 vom Österreicher Hermann Hubert Knaus und vom Japaner Kyusako Ogino entwickelt wurde, konnten schließlich die fruchtbaren Tage errechnet werden. Hieraus fertigte sie die sogenannte »Schrift X« an, die sie als Aufklärungsschrift vermarktete. Beate Uhse blieb der Thematik eng verbunden und nutzte die Jahre des wirtschaftlichen Aufschwungs, um ein Unternehmen aufzubauen, das sich speziell mit Erotik und Aufklärung befasste. Am 22. Februar 1951 wurde schließlich das »Versandhaus Beate Uhse« gegründet. Der Umsatz des Konzerns in Flensburg erreichte schon nach drei Jahren eine halbe Million DM und legte danach jeweils um 60 Prozent zu. Die sexuelle Befreiung der Gesellschaft führte in der damaligen Zeit zu einer enormen Steigerung der Verkäufe. 1961 wurde ein »Fachgeschäft für Ehehygiene« eröffnet, das sich in der Flensburger Innenstadt zwischen einem Bäcker und einer Metzgerei befand. Die Umsätze betrugen in dieser Zeit etwa 35 Millionen DM. Bis ins hohe Alter hielt sie an der Geschäftsführung fest. Ihr Leben wurde in dieser Zeit von Höhen und Tiefen bestimmt. 1972 beantragte ihr zweiter Ehemann, der Unternehmer Ernst-Walter Rotermund, die Scheidung, nachdem ihr Verhältnis mit einem Amerikaner bekannt wurde. 1982 wurden fünf Zysten an einer ihrer Nieren entfernt. Noch im selben Jahr entdeckte man bei ihrem Sohn ein bösartiges Magenkarzinom, an dem Klaus Uhse 1984 verstarb. Beate Uhse zog sich daraufhin Schritt für Schritt aus der Firmenleitung zurück. Nach dem Aktiengang ihres Unternehmens (1999) wurde sie zur Ehrenbürgerin von Flensburg ernannt. Infolge einer Lungenentzündung verschlechterte sich danach ihr Gesundheitszustand rapide. Von vielen Operationen geschwächt verstarb Beate Uhse-Köstlin am 18. Juli 2001 in der Schweiz. Als größtes Erotik-Unternehmen in Europa existiert ihre Firma noch heute. Gut 1.250 Mitarbeiter erwirtschafteten zuletzt einen Umsatz von 260 Millionen Euro. Ein Preis mit ihrem Namen ehrt seit 2002 mutige Frauen, die sich im Geschäftsleben durch soziales Engagement und Geschäftssinn auszeichnen.

 

 

Autobiografische Veröffentlichungen:


Beate Rotermund-Uhse; Ulrich Pramann: Mit Lust und Liebe. Mein Leben, Frankfurt am Main 1989.

 

Beate Rotermund-Uhse; Ulrich Pramann: Ich will Freiheit für die Liebe. Beate Uhse. Die Autobiographie, München 2001.

 

 

Ausgewählte Abhandlungen über Beate Uhse-Köstlin:


Elizabeth D. Heineman: Der Mythos Beate Uhse. Respektabilität, Geschichte und autobiographisches Marketing in der frühen Bundesrepublik. In: Werkstatt Geschichte 40 (2006), S. 69-92.

 

Ernst Probst: Beate Uhse. Deutschlands erste Stuntpilotin, Norderstedt 2010.

 

Jürgen Hobrecht: Beate Uhse. Chronik eines Lebens, Flensburg 2003.

 

Uta van Steen: Liebesperlen Beate Uhse, Hamburg 2003.

 

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